Ducati 900 Monster mit Vergaser oder Einspritzer – ein kurzer Eindruck

Vor kurzem habe ich einen Motorrad-Freund bei der Besichtigung und letztlich auch dem Kauf einer Ducati 900 Monster aus Mitte der 1990er begleitet. Nach einer kurzen Probefahrt war ich sehr positiv überrascht!

Es handelte sich um eine Ur-Monster mit Vergaser. Ob es noch die Variante mit 75 PS oder schon die spätere Ausführung mit nur noch  67 PS war, kann ich gerade nicht genau sagen. Das ist letztlich aber auch eher unerheblich, da die 900ter Monster sowieso mehr vom fülligen Drehmoment in der Drehzahlmitte lebt, und hohe Drehzahlen eh nicht so mag. Neben der High-Up Carbon-Auspuffanlage gab es noch ein paar weitere Carbon-Anbauteile. Insgesamt stand sie gut und gepflegt und ohne irgendwelche Auffälligkeiten da. Und die Historie sowie die vorgelegten Werkstattrechnungen ließen auf erfahrene Vorbesitzer und vor allem Mechanikerhände schließen.

Nach längerer Standzeit brauchte sie einen Moment und etwas Gefühl am Choke um zum Leben erweckt zu werden. Dann lief sie aber sehr schnell rund und unauffällig. Von den Startschwierigkeiten von denen man bei den Vergaser-Modellen ab und an hört war hier nichts zu merken! Sicherlich auch ein Resultat der guten Pflege und Wartung.

Mein Freund drehte eine kleine Runde und hatte sich schnell für die Monster entschieden. Da ich mit meiner 900 S i.e. ein ähnliches Modell habe, sollte ich mir auch noch einen kurzen Eindruck verschaffen. Ein paar kurze Meter durch das Wohngebiet reichten mir um wenigstens Geradeauslauf, Motorlauf, Getriebe und Bremsen kurz durchzuspielen. Generell schien alles OK. Geradeauslauf passt, Bremsen verzögern gewohnt und solide. Der Motor läuft rund und das Getriebe schaltet alle Gänge sauber durch.

Zwei Dinge haben mich im Gegensatz zu meiner Ducati 900 Monster mit Einspritzung jedoch überrascht:
Die Gasannahme des Vergaser-Motors war sehr sanft und gefühlvoll – nicht zu verwechseln mit träge oder langweilig! Meine Einspritzer ist da wesentlich direkter und „digitaler“. Das macht die Einspritzer vielleicht etwas aggressiver und „sportlicher“. Zu dem bei geringen Drehzahlen etwas bockigen großvolumigen V-Zwei-Motor passt das die eher geschmeidige Gasannahme aber wirklich sehr gut!
Daraus ergibt sich vielleicht auch schon die zweite sehr positive Überraschung: Da ich ja nur im Wohngebiet unterwegs war und trotzdem alle Gänge durchprobiert habe, blieb es nicht aus, dass die Drehzahlen entsprechend in den Keller fielen. Und trotzdem lief sie sehr rund und nahm willig Gas an, ohne gleich wild auf die Kette und die Kurbelwellenlager zu hacken! Wo meine unter 3.000 Umdrehungen schon etwas Gefühl erfordert und unter 2.500 Umdrehungen anfängt unwillig und unleidlich zu werden, da lief das Vergasermodell noch vergleichsweise entspannt und rund.

Bei nächster Gelegenheit muss ich die Vergaser noch einmal etwas ausführlicher ausprobieren. Aber mein erster Eindruck hat mich mehr als überzeugt! Meine anderen Motorräder sind ja allesamt noch mit Vergasern ausgestattet. Und bei der Monster habe ich mich letztlich aus einem eher banalen optischen Grund für eine Einspritzer entschieden: Das Cockpit mit den dunklen Tachoblättern und vor allem dem Drehzahlmesser hat mir einfach um Welten besser gefallen! Und daher ist es bei mir seinerzeit eben eine Einspritzer mit den neueren Instrumenten geworden. Die Monster 900 braucht aber eigentlich wirklich keinen Drehzahlmesser, da ihre Stärke wie bereits geschrieben in der Drehzahlmitte liegt und sie ab etwa 7.500 Umdrehungen pro Minute anfängt etwas träge zu werden.

Die eher sanfte Gasannahme kenne ich ja bereits von meinen anderen Motorrädern. Nun ist mir auch eindrucksfoll bewusst geworden, dass das im Vergleich etwas aggressivere Verhalten meine Monster nicht (nur) auf einen generell sportlicheren Motorcharakter zurückzuführen ist. De Tatsache, dass hier Modelle mit Vergasern meiner einzigen Einspritzer gegenüberstehen hat wohl die größten Einfluss!

Das soll jetzt keine Wertung sein – erst recht keine objektive Beurteilung. Da gehen die Meinungen bestimmt extrem auseinander. Ich persönlich mag die etwas weichere Gasannahme der Vergaser. Und nach meiner nun ersten kurzen Erfahrung mit der Ducati 900 Monster als Vergaser bin ich regelrecht begeistert! Nicht ausgeschlossen, dass so eine echte Ur-Monster irgendwann noch den Weg in meine Garage finden wird. Meiner Einspritzer werde ich aber natürlich dennoch die Treue halten.